Nonverbale Kommunikation und Körpersprache

„Man kann nicht nicht kommunizieren“, dass meinte 1983 der österreichisch-amerikanische Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick. Der griechische Philosoph und Rhetoriker Aristoteles erwähnte bereits im 3. Jh.v. Chr. die nicht zu unterschätzende Bedeutung von Körpersprache, nonverbaler Kommunikation und persönlichem Ausdruck im gesellschaftlichen und politischen Gesehen.

Im Blog zur interkulturellen Kommunikation wurde dies am Rande thematisiert und soll hier näher beleuchtet werden.

Sprechen wir vom Körpersprachlichem, umfasst das: den gestischen und mimischen Anteil, die Bewegung, die Körperhaltung, sowie den stimmlichen und vokalen Ausdruck.
Es wird angenommen, dass das Körpersprachliche sich als etwas gemeinsam Erlebtes entwickelt. Das heisst, dass jedes Kind von Geburt an damit ausgestattet ist und ständig dazulernt.
Deshalb können wir davon ausgehen, dass es nicht nur eine Körpersprache auf der Welt gibt. Körpersprache ist immer Kommunikation und umfasst den interaktiven kommunikativen Austausch und die soziale kulturelle Einbettung in einen Gesamtzusammenhang.

Somit ist Körpersprache auf jeden Fall gesellschaftlich und kulturell begründet, was oft vernachlässigt wird.
In diesem Kontext kennen Viele das „Verschränken der Arme“.
Diese Geste wird meist mit einer ablehnenden Haltung interpretiert.
Es kann aber auch Folgendes bedeuten:
– Es ist einem kalt geworden und man wärmt sich.
– Man variiert seine Körperhaltung, nachdem man länger in einer anderen Position verweilt ist.
– Man demonstriert Größe und Macht.

Körpersprache impliziert das Zusammenspiel von persönlichem Ausdruck, persönlichem Eindruck, nonverbaler Kommunikation sowie deren Einbettung in einen spezifischen sozialen und kulturellen Kontext.

Wenn Sie sich näher mit diesem Thema beschäftigen wollen, bietet Ulrich Sollmann, ein deutscher Gestalt- und Körperpsychotherapeut, verschiedene Perspektiven an, sich der Materie zu nähern. Diese Vier stelle ich Ihnen hier auf den Punkt gebracht vor:

1. Fotografisches Körperlesen:
Man beobachtet einen persönlichen Ausdruck z.B. eine Gestik oder Mimik (Augenbrauen hochziehen etc.) und eine Körperhaltung z.B. das Arme verschränken und gewinnt einen persönlichen Eindruck.
Vorteile sind die Schnelligkeit und Plausibilität im körpersprachlich-kommunikativen Miteinander. Außerdem baut das fotografische Körperlesen auf wiederkehrenden Erfahrungen auf und erweckt Neugier, sich mit diesem Thema zu beschäftigen.
Die Nachteile sind, dass Wahrnehmung und Interpretation eher oberflächlich ablaufen und die Differenziertheit eines Jeden, auch die persönlich-individuelle Einzigartigkeit sowie das Phänomen Körpersprache selbst in seiner Vielschichtigkeit kaum zum Tragen kommen.

2. Gesellschaft und Kultur:
Wir alle sind Kinder unserer Gesellschaft und Kultur. Wir alle reagieren aber auch situativ, kontext- und anlassbezogen. Damit kommen unsere Gesten, unser Temperament und die (habituellen) Gewohnheiten in unterschiedlicher Ausprägung, durchaus situativ, zum Tragen.
Dies kann sich auf allen gesellschaftlichen und kulturellen Ebenen zeigen, wie bei der Kleidung, dem Essverhalten, dem Ausdruck von Grundaffekten (z.B. Trauer, Wut u.a.) sowie dem Begrüßungs- und Kontaktverhalten oder der Regelung von Nähe und Distanz und dem Dominanz- und Revierverhalten etc.

3. Anthropologische Grundelemente (Die Wissenschaft vom Menschen):
Von Geburt an sind wir mit einer anthropologischen körpersprachlichen Grundausstattung versehen. Diese ist Teil des spontanen, verlässlichen Ausdrucksreservoirs.

4. Stress und hohe Belastung:
Hier kommt es zur Reduktion der breiten, offenen Wahrnehmung. Das Verhalten unter Stress folgt dem biologischen Grundmuster von „Kampf und Flucht“.
Je weniger man selbst unter Stress steht, desto eher kann man den anderen „verstehen“ und auch nonverbal klug kommunizieren.

Ein wirklich gängiges Beispiel sei an dieser Stelle erwähnt: der „Daumen hoch“. Dieses Symbol hat durch Facebook weltweit wohl einen zustimmenden, positiven „gefällt mir“ Charakter erlangt.
Historisch beruht diese gängige Interpretation der Geste auf einem Missverständnis, dass auf die Zuschauer von Gladiatorenkämpfen im alten Rom zurückführt. Wenn diese ihr Missfallen ausdrücken wollten, benutzen Sie den erhobenen Daumen (symbolisch das zustossende Schwert).

In Japan versinnbildlicht dieses Symbol den Mann, ohne eine abwertende oder aufwertende Bedeutung und steht gleichzeitig für die Zahl „fünf“.
In Australien bedeutet der erhobene Daumen „hau ab“, das ist beim Trampen sicherlich nicht hilfreich.
Im Iran, in Afghanistan und in Nigeria wird mit dieser Geste Geringschätzung ausgedrückt.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten: je mehr man selbst mit solchen körpersprachlichen Ausdrucksmustern vertraut ist, und um die Existenz dieser Muster weiß, desto eher gelingt die nonverbale Kommunikation.
Es wird nicht im Handumdrehen klappen, aber mit ein bisschen Übung zeigt Ihnen keiner so schnell einen Vogel!
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